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I MA(G)DALENA EUROPA

Ma(g)dalena-Netzwerk Treffen

23. -26. June 2016, Barcelona 

 

 

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IV MA(G)DALENA INTERNATIONAL

Ma(g)dalena-Netzwerk Treffen

16. und 17. Januar 2016, Matagalpa/ NICARAGUA

 

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III MA(G)DALENA INTERNATIONAL 

Ma(g)dalena-Netzwerk Treffen

 7. – 9. Februar 2014, La Paz / Bolivien  

 

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II Ma(g)dalena International - Berlin 2013

Vom 9. bis zum 15. September findet zum zweiten Mal das Treffen statt, welches Frauen versammelt, die das Theater der Unterdrückten in den unterschiedlichen Ecken der Welt anwenden und Teil des internationalen Madalena-Netzwerks sind.

Das Treffen hat zum Ziel, die Kommunikation und den ständigen Austausch zwischen den Madalena Gruppen zu etablieren. Das solidarische Netzwerk soll gestärkt werden, indem bei den Treffen konkrete Bedingungen zur Umsetzung von Aktionen geschaffen werden, die die Unterdrückung mit der Frauen konfrontiert werden und den Prozess ihrer Transformation sichtbar machen.

Das internationale Madalena-Netzwerk entstand als Entwicklungsergebnis aus diversen Theaterlaboratorien, initiiert in Brasilien 2010 (mit Unterstützung des Zentrums des Theaters der Unterdrückten CTO Rio) und dann weiterverbreitet in unterschiedliche Länder Lateinamerikas, Afrikas, Europas und Asiens (1). Die internationalen Seminare - durchgeführt in 2012 in Rio de Janeiro und in 2013 in Buenos Aires - halfen beim Prozess der Multiplikation der Madalena Laboratorien (2).

(1) Brasilien Argentinien, Uruguay, Peru, Guatemala, Kolumbien, Guinéa-Bissau, Mozambik, Portugal, Spanien, Deutschland, Österreich, Frankreich, Schweiz und Indien.

(2) Durch das Theater der Unterdrückten von Augusto Boal stimulieren die Madalena Laboratorien die Teilnehmerinnen, die Besonderheiten der UNterdrückung, mit der sie konfrontiert sind zu erkennen und analysieren. Die erarbeiteten Themen werden öffentlich diskutiert, um konkrete Alternativen zur Transformation der Wirklichkeit zu finden.

 

 

I Ma(g)dalena International - Berlin 2012

Es reicht nicht Theater zu machen... es ist notwendig im realen Leben zu handeln.

Vom 11. bis 16. September 2012 haben wir in Berlin das Treffen Madalena International durchgeführt, eine ästhetische Erfahrung an der 27 Frauen teilnahmen, Anwenderinnen des Theaters der Unterdrückten aus verschiedenen Ländern Lateinamerikas, Afrikas und Europas. Nachdem das Treffen vorbei war haben wir im Internet über eine sehr unangenehme Stituation berichtet, die 8 unserer Teilnehmerinnen am Eingang des YAAM, einem wichtigen Ort der Afro-Kultur Berlins, erlebt haben.

“Am frühen Morgen des 16.9.2012 wurden diese Frauen mit der sexistischen und aggressiven Einstellung der Einlasser konfroniert. In der Nacht desselben Sonntags ging daraufhin eine Gruppe von 30 Personen, Männern und Frauen, zum YAAM, um ihre Empörung über das Vorgefallene zum Ausdruck zu bringen und eine Stellungnahme der Leitung einzufordern. Es war unmöglich mit einem der Verantwortlichen zu sprechen und der Kontakt mit dem Einlasser-Team verschärfte den Konflikt nur noch weiter.”

Am 21.9.2012 erhielten wir eine Nachricht eines Mitglieds der Leitung des YAAM mit der Bitte um telefonische Kontaktaufnahme. Das Gespräch führte zu einer Begegnung von Vertreterinnen von Madalena International mit der der Leitung des YAAM und dem Einlasser-Team am 23.9.2012.

Unserseits wollten wir erreichen, dass das YAAM den Akt von Gewalt und Sexismus, der an seinem Einlass passierte, als solchen anerkennt. Ausserdem wollten wir ein konkretes Zeichen gegenüber den Mitarbeitern, welches verdeutlicht, dass eine solche Haltung nicht toleriert wird und wenn immer sie vorkommt schwerwiegende Konsequenzen nach sich zieht. Zusätzlich schlugen wir den wechselseitigen Rückzug der Anzeigen vor.

Abgesehen davon, dass wir nicht zu einer gemeinsamen Wahrnehmung der Ereignisse der frühen Morgenstunden des 16.9.2012 fanden, erkannte die Leitung des YAAM an, dass es zu Gewalt und Sexismus gekommen war, bedauerte das, entschuldigte sich dafür und versprach angemessene Vorsorge für die zukünftige Vermeidung.

Als Mitglieder von Madalena International und als Aktivistinnen des Theaters der Unterdrückten glauben wir an Dialog und Kooperation. Zugleich wissen wir, dass der Kampf zur Überwindung des Patriachats fortgesetzt werden muss. Deswegen werden wir auch weiterhin aufmerksam die Entwicklungen im beschriebenen Fall verfolgen.

Ausserdem wollen wir unsere Ablehnung gegenüber dem Gentrifizierungsprozess im Umfeld des YAAM zum Ausdruck bringen, der die Aneigung einer weiteren Fläche für die exklusive Nutzung durch Reiche zum Ziel hat.

PS: Im folgenden veröffentlichen wir die Erklärung der Leitung des YAAM zu dem Fall.

 

Gemeinsame Erklärung von YAAM

Wie teilweise schon bekannt geworden ist, gab es frühen Morgen des 16.9.2012 – Sonntag, um 5Uhr – einen Streit an der Tür des YAAM. Die Ereignisse der Nacht lassen sich nicht mehr vollständig rekonstruieren. Zugleich ist das YAAM zu der Überzeugung gelangt, dass es seitens eines Türstehers zu einem Fehlverhalten gekommen ist. Hier sind elementare Grundprinzipien der Arbeit des YAAM verletzt worden, hierfür können wir uns nur entschuldigen. Das YAAM steht seit vielen Jahren für Gewaltfreiheit, Anti-Sexismus und Anti-Rassismus – und wenn aus unseren Reihen jemand gegen diese Prinzipien verstößt, muss dies Konsequenzen haben.

In einem sehr konstruktiven Gespräch mit den beteiligten Frauen haben wir daher beschlossen, dass der betreffende Türsteher, obwohl wir uns mehr als 10 Jahre lang auf seine Dienste verlassen konnten, nicht mehr im YAAM beschäftigt wird. Beide Seiten werden die Anzeigen bei der Polizei zurückziehen. Das YAAM prüft darüber hinaus auf Anregung von Kuringa, ob nicht öfter Frauen an der Tür als Security eingesetzt werden können.

YAAM, Kuringa und Madalena International haben in dem Gespräch festgestellt, dass es viele Ziele gibt, für die sich alle Beteiligten gleichermaßen einsetzen. Wir wollen daher im Dialog bleiben, um künftig auch gemeinsame Aktionen zu den Themen Sexismus und Rassismus durchzuführen.

 

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Samstag, 15. September 2012, 8 Frauen – Mitgestalterinnen von “Madalena International” einem Frauentheaterfestival - aus Mozambique, Brasilien, Kolumbien, Spanien, Italien und Deutschland – ein unerwartetes Erlebnis in Berlin.

 

Nach einer erfolgreichen Theateraufführung samt Aftershowparty mit allen Mitwirkenden, denken sich die Frauen, dass sie das Recht haben, auszugehen um ein bisschen das Nachtleben der Stadt kennenzulernen. Weil sie eine Gruppe mit mehrheitlich schwarzen Frauen sind, die in ihrer Heimat in der Kultur arbeiten, entscheiden sie sich für's YAAM,  das als soziokultureller und Künstlertreffpunkt der Afro-Kultur bekannt ist.

 

Sie kommen zum YAAM und sehen, dass ein Eintrittspreis erhoben wird. Zwei der Frauen entscheiden sich, wegen des Eintritts zu verhandeln, eine wendet sich an einen der 5 Männer am Eingang und sagt:

„Sorry, wir sind eine Gruppe von Frauen…“

 

doch weiter kann sie nicht sprechen, aggressiv fällt ihr der Türsteher ins Wort:

„Raus! Raus! Ihr werdet hier nicht rein gelassen!“

 

Die Frau antwortet: „Tranquillo, ich habe nur einer Frage gestellt.“

 

Woraufhin einer der Männer, der bequem hinter dem ersten sitzt, schreit: „Du bist eine Schlampe, einer hässlicher Frau, deine Art zu Reden ist eklig!“

… die Beleidigungen multiplizieren sich. Ein unerwarteter und überraschender Ausbruch von Hass wird gestartet. Die Frau akzeptiert diese Behandlung nicht und verteidigt sich verbal.

 

Plötzlich schlägt sie der erste der Türsteher hart ins Gesicht.

Er schlägt sie ins Gesicht.

Die Gewalt und der Hass, welche bis dahin verbal waren, werden physisch und materialisieren sich.


Nach der Streitlust der Einlasser des YAAM müssen die Frauen als nächstes die Gleichgültigkeit und den Machismo der Polizei erdulden, die sie behandelt, als ob sie die Verantwortlichen für den Übergriff gewesen wären.

Am nächsten Tag teilen die Frauen ihre Bedenken mit den anderen Teilnehmerinnen des Frauentheaterfestivals Madalena International:
Ist es vielleicht die unabhängige Haltung, die den Hass mancher Männer provoziert? Ist dieser Hass ein soziales Produkt? Warum steht das Arsenal der Aggressionen gegen Frauen nach wie vor bereit, auch in der sogenannten "ersten Welt"? Schließt die Antirassismusbewegung schwarze Frauen ein? Repräsentieren die Türsteher den Charakter des YAAMs?


Sonntag, 16. September 2012: die Frauen behandeln das Problem im Forum ihrer Theateraufführung. Eine Zuschauerin kommt auf die Bühne und macht einen Vorschlag. Die Frauen der Gruppe entscheiden sich, diesen Vorschlag in die Praxis umzusetzen. Nach der Veranstaltung gehen sie in Begleitung der solidarischen Zuschauer/innen zum YAAM. Sie führen ihren Protest auf und sehen die Unterdrückung von Frauen dadurch nur noch deutlicher.

Jetzt ist es notwendig die begonnene Aktion fortzusetzen und dabei die Unterstützung von Frauen und von Organisationen, die sich für die Rechte von Frauen einsetzen, zu suchen.